Nachhaltigkeitsberichte sind mehr als ein Compliance-Dokument – sie sind ein Dialoginstrument mit Ihren Stakeholdern. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie Berichte entweder ungesehen im Jahresbericht verschwinden oder als Motor für Vertrauen, strategische Entscheidungen und Partnerschaften dienen. Ich möchte Ihnen zeigen, wie Sie einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, der Stakeholder wirklich überzeugt: nachvollziehbar, relevant und handlungsorientiert.
Verstehen, wer Ihre Stakeholder sind und was sie wirklich wollen
Der erste Fehler ist oft, den Bericht aus der Perspektive des Unternehmens zu schreiben statt aus der Perspektive der Adressaten. Ich beginne daher immer mit einer Stakeholder-Analyse:
Wenn Sie diese Fragen beantworten, wird der Bericht relevanter. Ein Investor braucht transparente KPIs und Nachweise zur Risikominimierung; Kundinnen interessieren sich für Produktnachhaltigkeit und Lieferkette; Mitarbeitende wollen sehen, wie sich die Unternehmenskultur verändert.
Materialitätsanalyse: Was wirklich zählt
Eine fundierte Materialitätsanalyse ist das Herzstück eines überzeugenden Berichts. Ich empfehle einen pragmatischen, zweistufigen Ansatz:
Das Ergebnis ist eine Prioritätenliste – und davon sollte Ihr Bericht getrieben sein. Themen, die aus Stakeholder-Sicht kritisch sind, verdienen tiefere Erklärungen und messbare Ziele.
Optional: Standards nutzen, aber nicht slavisch folgen
Standards wie GRI, SASB oder Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) sind hilfreich, um Glaubwürdigkeit und Vergleichbarkeit zu schaffen. In meiner Praxis kombiniere ich pragmatisch:
Wichtig ist: Verwenden Sie Standards, um Transparenz zu schaffen – aber füllen Sie die Struktur mit eigenen, relevanten Inhalten. Ein Bericht, der nur Tabellenfarmen auflistet, überzeugt niemanden.
Klare, messbare Ziele und KPIs
Stakeholder wollen sehen, dass Sie wissen, wohin die Reise geht. Daher setze ich im Bericht auf:
Beispiel: Statt „Wir reduzieren Emissionen“ besser: „-30% Scope 1+2 bis 2030 gegenüber Basisjahr 2022 (Methodik: GHG Protocol, Berichtsgrenze: eigene Standorte und Dienstfahrzeuge).“
Datenqualität und Nachvollziehbarkeit
Vertrauen steht und fällt mit Daten. Ich empfehle drei Grundsätze:
Digitale Tools wie SAP Sustainability oder spezialisierte Sustainability-Software helfen, Daten konsistent zu erfassen. Aber das Tool ersetzt nicht das Governance-Setting: Wer validiert, wer sign-off gibt?
Storytelling: Zahlen in Kontext setzen
Zahlen allein wirken kühl. Wir müssen die Geschichten dahinter erzählen: Warum haben wir ein Ziel gewählt? Welche Maßnahmen stecken dahinter? Wo gab es Rückschläge? In meinen Berichten kombiniere ich:
Ein Beispiel: Statt nur CO2-Reduktion zu berichten, beschreibe ich ein Projekt, das den Verbrauch senkte – inklusive Kosten, Herausforderungen und Lessons Learned. Das macht den Bericht glaubwürdiger und nützlicher.
Format und Zugänglichkeit
Verschiedene Stakeholder brauchen verschiedene Formate. Meine Empfehlung:
Barrierefreiheit, klare Sprache und Übersetzungen (mindestens in Englisch) erhöhen die Reichweite. Denken Sie auch an Social-Media-Snippets, um Kernaussagen zu verbreiten.
Governance, Verantwortlichkeiten und Integration
Ein Bericht überzeugt, wenn er zeigt, dass Nachhaltigkeit Teil der Unternehmensführung ist. Adressieren Sie:
Ohne diese Anbindung bleibt Nachhaltigkeit ein Kommunikationsprojekt – nicht eine strategische Transformation.
Prüfung und kontinuierliche Verbesserung
Ich rate dazu, Nachhaltigkeitsberichterstattung als iterativen Prozess zu sehen. Ein pragmatischer Fahrplan:
| Phase | Aktivität | Ergebnis |
|---|---|---|
| Vorbereitung | Stakeholder-Analyse, Materialität | Prioritätenliste |
| Datenaufbau | KPIs definieren, Tools implementieren | Messbare Basisdaten |
| Berichtserstellung | Narrativ + Datenaufbereitung | Draft für Review |
| Validierung | Interne & externe Prüfungen | Assurance / Feedback |
| Kommunikation | Publikation in mehreren Formaten | Stakeholder-Engagement |
Praxisbeispiel aus meiner Beratung
In einem Projekt mit einem mittelständischen Hersteller half ich, die Lieferkette transparent zu machen. Wir priorisierten drei Themen: Energieeffizienz, Lieferantenmanagement und Abfallvermeidung. Durch ein kombiniertes Vorgehen aus digitalen Messpunkten, Lieferanten-Workshops und klaren KPIs konnten wir innerhalb eines Jahres eine nachvollziehbare Emissionsbasis schaffen und glaubwürdige Ziele kommunizieren. Der Bericht enthielt sowohl eine executive summary für Investoren als auch eine ausführliche Online-Datenbank für NGOs und Geschäftspartner.
Tipps für einen überzeugenden Start
Wenn Sie möchten, können wir gemeinsam die Materialität für Ihr Unternehmen erarbeiten oder eine Roadmap erstellen, die Ihren nächsten Nachhaltigkeitsbericht zu einem überzeugenden Dialoginstrument macht. Ich unterstütze Sie gern bei der Anbindung an Standards, dem Aufbau von Datensystemen und der zielgruppengerechten Kommunikation.