Nachhaltigkeit

Wie erstellen sie einen nachhaltigkeitsbericht, der stakeholder wirklich überzeugt

Wie erstellen sie einen nachhaltigkeitsbericht, der stakeholder wirklich überzeugt

Nachhaltigkeitsberichte sind mehr als ein Compliance-Dokument – sie sind ein Dialoginstrument mit Ihren Stakeholdern. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie Berichte entweder ungesehen im Jahresbericht verschwinden oder als Motor für Vertrauen, strategische Entscheidungen und Partnerschaften dienen. Ich möchte Ihnen zeigen, wie Sie einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, der Stakeholder wirklich überzeugt: nachvollziehbar, relevant und handlungsorientiert.

Verstehen, wer Ihre Stakeholder sind und was sie wirklich wollen

Der erste Fehler ist oft, den Bericht aus der Perspektive des Unternehmens zu schreiben statt aus der Perspektive der Adressaten. Ich beginne daher immer mit einer Stakeholder-Analyse:

  • Wer sind die wichtigsten internen und externen Stakeholder (Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden, Investoren, Lieferanten, Regulierungsbehörden, NGOs)?
  • Welche Informationen brauchen sie, um Entscheidungen zu treffen?
  • Welche Formate bevorzugen sie (Kurzbericht, interaktive Website, Daten-Download)?
  • Wenn Sie diese Fragen beantworten, wird der Bericht relevanter. Ein Investor braucht transparente KPIs und Nachweise zur Risikominimierung; Kundinnen interessieren sich für Produktnachhaltigkeit und Lieferkette; Mitarbeitende wollen sehen, wie sich die Unternehmenskultur verändert.

    Materialitätsanalyse: Was wirklich zählt

    Eine fundierte Materialitätsanalyse ist das Herzstück eines überzeugenden Berichts. Ich empfehle einen pragmatischen, zweistufigen Ansatz:

  • Interne Priorisierung: Workshops mit Leadership, Nachhaltigkeits-, Finanz- und Produktteams.
  • Externe Validierung: Befragungen und Interviews mit Schlüssel-Stakeholdern.
  • Das Ergebnis ist eine Prioritätenliste – und davon sollte Ihr Bericht getrieben sein. Themen, die aus Stakeholder-Sicht kritisch sind, verdienen tiefere Erklärungen und messbare Ziele.

    Optional: Standards nutzen, aber nicht slavisch folgen

    Standards wie GRI, SASB oder Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) sind hilfreich, um Glaubwürdigkeit und Vergleichbarkeit zu schaffen. In meiner Praxis kombiniere ich pragmatisch:

  • Für Stakeholder-Fokussierung: GRI (Breite der Themen)
  • Für Investorsicht: SASB / TCFD (Finanzrelevanz von ESG-Risiken)
  • Für Klimaberichterstattung: CDP oder Science Based Targets (SBTi) als Ergänzung
  • Wichtig ist: Verwenden Sie Standards, um Transparenz zu schaffen – aber füllen Sie die Struktur mit eigenen, relevanten Inhalten. Ein Bericht, der nur Tabellenfarmen auflistet, überzeugt niemanden.

    Klare, messbare Ziele und KPIs

    Stakeholder wollen sehen, dass Sie wissen, wohin die Reise geht. Daher setze ich im Bericht auf:

  • Konkrete Ziele (z. B. CO2-Reduktion in Tonnen, Anteil recycelter Materialien in Prozent, Diversity-Ziele für Führungsebenen)
  • Messbare KPIs mit Baseline und Zeitachse
  • Offenlegung der Methodik: Wie wurden Daten erhoben? Welche Annahmen wurden getroffen?
  • Beispiel: Statt „Wir reduzieren Emissionen“ besser: „-30% Scope 1+2 bis 2030 gegenüber Basisjahr 2022 (Methodik: GHG Protocol, Berichtsgrenze: eigene Standorte und Dienstfahrzeuge).“

    Datenqualität und Nachvollziehbarkeit

    Vertrauen steht und fällt mit Daten. Ich empfehle drei Grundsätze:

  • Transparenz: Quellen, Berechnungsformeln und Unsicherheiten offenlegen.
  • Systematik: Datenprozesse im Unternehmen verankern (Owner, Tools, Fristen).
  • Externe Prüfung: Assurance durch Wirtschaftsprüfer oder spezialisierte Anbieter, wenn möglich.
  • Digitale Tools wie SAP Sustainability oder spezialisierte Sustainability-Software helfen, Daten konsistent zu erfassen. Aber das Tool ersetzt nicht das Governance-Setting: Wer validiert, wer sign-off gibt?

    Storytelling: Zahlen in Kontext setzen

    Zahlen allein wirken kühl. Wir müssen die Geschichten dahinter erzählen: Warum haben wir ein Ziel gewählt? Welche Maßnahmen stecken dahinter? Wo gab es Rückschläge? In meinen Berichten kombiniere ich:

  • Fallbeispiele aus der Praxis (z. B. Lieferantenentwicklung in Vietnam, Produktrecycling-Initiative)
  • Statements von Betroffenen (Mitarbeiterin, Kund, NGO-Partner)
  • Visuelle Elemente: Infografiken, KPI-Dashboards und Prozess-Mappings
  • Ein Beispiel: Statt nur CO2-Reduktion zu berichten, beschreibe ich ein Projekt, das den Verbrauch senkte – inklusive Kosten, Herausforderungen und Lessons Learned. Das macht den Bericht glaubwürdiger und nützlicher.

    Format und Zugänglichkeit

    Verschiedene Stakeholder brauchen verschiedene Formate. Meine Empfehlung:

  • Kurzversion (Executive Summary) für Entscheider
  • Interaktiver Online-Report mit Download-Optionen für Daten
  • PDF für Archiv und regulatorische Zwecke
  • Barrierefreiheit, klare Sprache und Übersetzungen (mindestens in Englisch) erhöhen die Reichweite. Denken Sie auch an Social-Media-Snippets, um Kernaussagen zu verbreiten.

    Governance, Verantwortlichkeiten und Integration

    Ein Bericht überzeugt, wenn er zeigt, dass Nachhaltigkeit Teil der Unternehmensführung ist. Adressieren Sie:

  • Governance-Struktur (Wer berichtet an den Vorstand? Gibt es ein Sustainability Committee?)
  • Verzahnung mit Strategie und Geschäftsmodellen
  • Anreizsysteme (z. B. ESG-Komponenten in Management-Boni)
  • Ohne diese Anbindung bleibt Nachhaltigkeit ein Kommunikationsprojekt – nicht eine strategische Transformation.

    Prüfung und kontinuierliche Verbesserung

    Ich rate dazu, Nachhaltigkeitsberichterstattung als iterativen Prozess zu sehen. Ein pragmatischer Fahrplan:

    PhaseAktivitätErgebnis
    VorbereitungStakeholder-Analyse, MaterialitätPrioritätenliste
    DatenaufbauKPIs definieren, Tools implementierenMessbare Basisdaten
    BerichtserstellungNarrativ + DatenaufbereitungDraft für Review
    ValidierungInterne & externe PrüfungenAssurance / Feedback
    KommunikationPublikation in mehreren FormatenStakeholder-Engagement

    Praxisbeispiel aus meiner Beratung

    In einem Projekt mit einem mittelständischen Hersteller half ich, die Lieferkette transparent zu machen. Wir priorisierten drei Themen: Energieeffizienz, Lieferantenmanagement und Abfallvermeidung. Durch ein kombiniertes Vorgehen aus digitalen Messpunkten, Lieferanten-Workshops und klaren KPIs konnten wir innerhalb eines Jahres eine nachvollziehbare Emissionsbasis schaffen und glaubwürdige Ziele kommunizieren. Der Bericht enthielt sowohl eine executive summary für Investoren als auch eine ausführliche Online-Datenbank für NGOs und Geschäftspartner.

    Tipps für einen überzeugenden Start

  • Beginnen Sie klein, aber transparent: Ein fokussierter Bericht ist besser als ein großer, ungenauer.
  • Investieren Sie in Datengovernance: Konsistente Zahlen schaffen Vertrauen.
  • Binden Sie Stakeholder früh ein und nutzen Sie ihr Feedback für die Reportstruktur.
  • Sorgen Sie für klare Ziele mit Zeitplan und Verantwortlichkeiten.
  • Nutzen Sie Standards als Orientierung, aber erzählen Sie Ihre eigene Geschichte.
  • Wenn Sie möchten, können wir gemeinsam die Materialität für Ihr Unternehmen erarbeiten oder eine Roadmap erstellen, die Ihren nächsten Nachhaltigkeitsbericht zu einem überzeugenden Dialoginstrument macht. Ich unterstütze Sie gern bei der Anbindung an Standards, dem Aufbau von Datensystemen und der zielgruppengerechten Kommunikation.

    Sie sollten auch die folgenden Nachrichten lesen:

    Wie skaliert man pilotprojekte zur digitalen produktion ohne qualitätsverluste

    Wie skaliert man pilotprojekte zur digitalen produktion ohne qualitätsverluste

    Pilotprojekte sind wertvoll: Sie liefern schnelles Lernen, begrenzten Investitionsbedarf und erste...

    02. Dec
    Wie schaffen sie incentives, die innovation fördern statt kurzfristige ziele zu belohnen

    Wie schaffen sie incentives, die innovation fördern statt kurzfristige ziele zu belohnen

    In vielen Organisationen beobachte ich das gleiche Phänomen: Incentives sind stark an kurzfristige...

    02. Dec